HIV und Ernährung: Mikronährstoffe und das Immunsystem

Das Immunsystem ist ein sehr komplexes System und dient dem Körper als Abwehrmechanismus gegen exogene und endogene Gefahren. Exogene Gefahren sind z.B. Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten, also Organismen welche von außen in unseren Körper eindringen. Endogene Gefahren sind Tumore oder autoreaktive Zellen, also körpereigene Zellen, die der Körper durch den Zelltod gezielt beseitigt [1].

 

Unabhängig davon, ob wir uns in der freien Natur oder in der Straßenbahn aufhalten, ständig begleiten uns Krankheitserreger (exogene Gefahren) - sie befinden sich auf Haltegriffen in der U-Bahn, auf unserer Tastatur am Computer und schwirren in der Luft herum. Die Anwesenheit solcher Krankheitserreger ist noch nicht gefährlich. Zuerst müssen diese Erreger in unseren Körper gelangen, danach müssen sie sich noch vermehren, um uns krank zu machen. Die Haut stellt eine natürliche Barriere da, das gleiche gilt auch für die Schleimhaut. Überwinden die Krankheitserreger diese Barriere können sie sich in unserem Körper ausbreiten, vermehren und schlussendlich eine Krankheit z.B. eine echte Grippe (Influenzavirus) hervorrufen. Um eine Vermehrung des Erregers zu verhindern wehrt sich der Körper mit einer sogenannten Immunantwort. Die Anzahl der Krankheitserreger spielt hierbei eine große Rolle - je mehr Krankheitserreger in unseren Körper eindringen desto leichter kann es zu einer Infektion kommen, je schwächer das Immunsystem ist, desto leichter haben es die Krankheitserreger bzw. umso weniger Viren sind für eine Infektion notwendig.

 

Was beeinflusst unser Immunsystem?

In folgender Abbildung werden jene Faktoren aufgelistet, welche Einfluss auf unserer Immunsystem haben.

Ein wichtiger Faktor, der das Immunsystem beeinflusst, ist die Ernährung. Das Immunsystem funktioniert unter anderem optimal, wenn es mit den richtigen Nährstoffen versorgt wird. Neben den Makronährstoffen, welche wir im ersten Teil unserer Serie gebracht haben, spielen einige Mikronährstoffe eine wichtige Rolle für unser Immunsystem. Hierzu zählen Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und Sekundäre Pflanzenstoffe.

 

Die Pharmazeutische Zeitung schreibt in Ihrer Ausgabe vom 12/2010 folgendes: „Wegen eines erhöhten Bedarfs an Antioxidantien sollten HIV-Infizierte auf eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen A, C und E sowie Selen und Zink besonders achten.“

 

Allgemein sind Antioxidantien Verbindungen, welche eine Oxidation verhindern. Manche Vitamine besitzen eine solche antioxidative Eigenschaft und werden somit auch als Antioxidantien bezeichnet. Diese Antioxidantien fangen freie Radikale, welche u.a. Zellen schädigen können, ab und schützen dadurch unsere Zellen. Freie Radikale entstehen vor allem durch Rauchen von Zigaretten, überhöhten Alkoholkonsum, übermäßigen Stress, Ozon, Umweltgifte, können aber auch durch Medikamente gebildet werden.

 

Vitamin A kommt vorwiegend in tierischen Lebensmitteln vor, wobei Leber, Butter und Eigelb besonders hohe Lieferanten sind. Im Gemüse kommen vorwiegend die sogenannten Carotinoide vor. Diese werden oft als Provitamin A bezeichnet, welches im Darm enzymatisch in Vitamin A überführt werden kann. Carotinoide kommen vor allem in Karotten, Paprika, Blattgemüse wie z.B. Spinat vor. Vitamin A ist nicht nur wichtiger Nährstoff für die Immunabwehr, sondern auch ist auch für die Erhaltung der Epithelgewebe der Haut und der Schleimhaut von Bedeutung [3].

 

Vitamin C oder L-(+)-Ascorbinsäure ist besonders empfindlich gegenüber Sauerstoff und Licht. In tierischen Produkten ist dieses Vitamin nur in geringeren Mengen vorhanden. Gelber Paprika hat mit 294mg/100g einen besonders hohen Anteil an Vitamin C. Zu den Vitamin C reichen Obstsorten zählen die Johannisbeere (schwarz) mit 180mg/100g, gefolgt von der Kiwi mit 80mg/100g und der Zitrone mit 61mg/100g [2] Vitamin C ist wohl eines der wichtigsten Antioxidantien und auch für die verbesserte Eisenaufnahme von großer Bedeutung.

 

Vitamin E kommt vor allem in pflanzlichen Ölen vor. Eine hohe Konzentration an Vitamin E schützt das Öl auch vor dem ranzig werden, da es die sogenannten Sauerstoffradikale abfangen kann. Weizenkeimöl hat einen Vitamin E Gehalt von 215,4mg/100g, gefolgt von Sonnenblumenöl mit 55,8mg/100ml. Das Olivenöl besitzt nur 12,0mg/100g. Auch Nüsse sind gute Vitamin E Lieferanten, der Gehalt von Mandeln aber auch Haselnüssen beträgt 25,0 mg/100g, die Erdnuss besitzt 8,8mg/100g [2]. Vitamin E kann im Körper selbst zum Radikal werden, welches mittels Vitamin C wieder regeneriert werden kann [3].

 

Selen kommt vor allem in Fleisch, Fisch und Innereien vor, aber auch in Nüssen. Daher sollten Nüsse vor allem bei einer vegetarischen Ernährung eine große Rolle spielen [5]. Ein Selenmangel ist in der Allgemeinbevölkerung sehr selten, jedoch scheint dies bei einer HIV-Infektion häufiger vorzukommen [7]. Bei AIDS Patienten wurde oftmals ein Selenmangel festgestellt, dies kann sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken [6].

 

Zink aus tierischen Lebensmitteln wird vom Körper besser verwertet als von pflanzlichen Lebensmitteln. Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier sind gute Bezugsquellen. Bei Getreide ist vor allem die Außenschicht des Korns zinkreich, somit sollten Vollkornprodukte bevorzugt werden [5]. Zink ist ein wichtiger Faktor für unser Immunsystem, vor allem hat es einen Einfluss auf unsere T-Lymphozyten, welche eine besondere Rolle für die Abwehr der HI-Viren haben. Es ist jedoch auch belegt, dass ein zu hoher Zinkspiegel die Vermehrung von HI-Viren fördert. Somit sollte der maximale Tagesbedarf von 15mg nicht überschritten werden [7].

 

Fazit: Eine vitaminreiche Ernährung ist für unser Immunsystem sehr wichtig. Eine Überdosierung von Vitaminen (Hypervitaminose) ist durch Lebensmittel nicht möglich. Dennoch gibt es immer wieder Fälle von Hypervitaminose durch unkontrollierte Einnahmen von Nahrungsergänzungsmitteln oder Vitaminpräparaten. Vitaminpräparate können gerade bei einer Therapie sinnvoll sein, jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht. Der Spruch „Viel hilft viel“ könnte genau das Gegenteil bewirken, dies gilt auch für Vitaminpräparate die nicht rezeptpflichtig sind und dadurch leichtfertiger konsumiert werden.

 

Literaturverweise

[1] L. Rink, A. Kruse, H: Haase (2011). Immunologie für Einsteiger. Spektrum Akademischer Verlag.

[2] K.Pietrzik , K.-H. Bässler, D.Loew, (2002).Vitamin-Lexikon, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 3.Auflage.

[3] I. Elmadfa (2004). Ernährungslehre. UTB, Stuttgart.

[4] H. Biesalski, P.Fürst, H.Kasper, R.Kluthe, W.Pölert, C.Puchstein, H.Stähelin, M. Waigand-Brauer (2004). Ernährungsmedizin: Nach dem Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer. Thieme; 3.Auflage.

[5] I. Elmadfa, C. Leitzmann (2004). Ernährung des Menschen. UTB, Stuttgart,3.Auflage.

[6] K. Widhalm (2009), Ernährungsmedizin, Deutscher Ärzte-Verlag; 3.Auflage.

[7] H. Biesalski, J. Köhrle, K. Schümann, R. Hammelehle, O. Adam, M. Anke, W. Aulitzky (2002). Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe: Prävention und Therapie mit Mikronährstoffen. Thieme.

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